Deutsch zum Anfassen: Ob die Arbeit mit dem Globus oder ein Kunstprojekt – MiBiKids will Kinder begeistern und so die Sprache verankern.

Mit 5000 Euro zwei Noten besser!

Jubel über 5000-Euro-Spende (v.l.) – ABV-Vorstand Jürgen Heinle überreichte MiBiKids-Gründer Samuel Fosso und der Ltd. Gesellschaftsärztin der Allianz Annett Bork den Scheck.
Jubel über 5000-Euro-Spende (v.l.) – ABV-Vorstand Jürgen Heinle überreichte MiBiKids-Gründer Samuel Fosso und der Ltd. Gesellschaftsärztin der Allianz Annett Bork den Scheck
[dropcap type=”3″]B[/dropcap] unte, kleine Holzmännchen und dazu ein Spielbrett mit lauter Punkten. Was ist das denn? „Heute spielen wir ,Mensch-ärgere-Dich-nicht’ “, erklärt Annett Bork. „Kennt ihr das Spiel?“, fragt sie zum Beginn der Doppelstunde Deutsch – organisiert vom Freisinger Verein MiBiKids. Eine Kleingruppe mit vier Kindern sitzt vor ihr und alle schütteln den Kopf. Kein Wunder, die Dritt- und Viertklässler haben türkische, albanische und nigerianische Wurzeln. „Lehrerin“ Annett Bork erklärt ihnen also die Regeln. Dann wird gewürfelt, gehüpft, geschmissen. Und Annett Bork freut sich mit den Kindern, die sie so begeistern konnte. „Natürlich schreiben und lesen wir hier auch – aber darüber hinaus baue ich deutsche Traditionen, Heimatkunde oder Regeln im Zusammenleben ein, um Kinder sprachlich ganzheitlich zu integrieren“, erklärt Annett Bork, die sonst als Ärztin an der Uni Gesundheitsökonomie lehrt oder als Leitende Gesellschaftsärztin Kranken Gutachten prüft. Vor zwei Jahren stieß Annett Bork zufällig auf MiBiKids und war von der Idee sofort begeistert. Seitdem „verfeinert“ sie das Deutsch der Kleinen – besonders gern, indem sie auf Hobbys eingeht. Ihre drei Mädchen mögen Tiere und Natur, der Junge Sport. Mit jeder neuen Vokabel wächst dann das Sprachverständnis und das Selbstbewusstsein sichtbar. Noch vor sieben Monaten wollte keiner freiwillig vorlesen. Jetzt melden sich alle. Solch kleine Erfolge türmen sich bei MiBiKids zu großen auf: Das nigerianische Mädchen in der Lerngruppe von Annett Bork stand vorher auf Note vier in Deutsch, jetzt hat sie eine zwei und eine Empfehlung fürs Gymnasium.

Deutsch zum Anfassen: Ob die Arbeit mit dem Globus oder ein Kunstprojekt – MiBiKids will Kinder begeistern und so die Sprache verankern.
Deutsch zum Anfassen: Ob die Arbeit mit dem Globus oder ein Kunstprojekt – MiBiKids will Kinder begeistern und so die Sprache verankern

Die Vereinsarbeit wirkt. Samuel Fosso, Vereinsvorsitzender und MiBiKids-Gründer, dokumentiert stolz: „All unsere Kindergartenkinder dürfen eine Regelschule besuchen. Und: 50 Prozent schaffen den Übertritt von einer Grund- auf eine Realschule oder das Gymnasium.“ Der Bundesdurchschnitt liegt da nur bei 22 Prozent. Fosso, selbst Ingenieur und Softwareentwickler, erläutert: „Migrantenkinder schlagen generell nur selten eine höhere Schullaufbahn ein. Das wollte ich ändern und darum gründete ich 2010 den Verein. Dieser setzt den Fokus auf die Sprache Deutsch, weil sie der Schlüssel zu besserer Bildung und Integration ist.“ Rund 210 Kinder erhalten diesen „Schlüssel“ soeben bei MiBiKids – von 45 ehrenamtlichen Lehrkräften, die in der Mehrzahl ohne Aufwandsentschädigung unterrichten. Dennoch: Bildung kostet immer. Der Verein, auf Spenden angewiesen, benötigt Geld für Lehrmittel, Raummiete und Verwaltung. Darum wandte sich Annett Bork mit ihrer Herzensangelegenheit direkt an den Verein Allianz für Kinder in Bayern. Und: Dieser sagte gleich Hilfe zu! Insgesamt 5000 Euro spendete der gemeinnützige Verein der Allianz für MiBiKids. Die Hälfte der Gesamtspende kam von den Mitarbeitern am Allianz Campus aus dem Erlös des Herbstbücherflohmarkts. Als Samuel Fosso davon erfuhr, sagte er überglücklich: „Mit dem Geld können wir ein Jahr lang fünf Kleingruppen unterrichten. Damit helfen wir 25 Kindern, die sonst in der Schule wohl kaum große Chancen hätten. Bei ihnen eröffnen sich nun ganz neue Lebensperspektiven.“ Den Scheck an Samuel Fosso überreichte ABV-Vorstand Jürgen Heinle in seiner Funktion als Vorsitzender des Vorstands des gemeinnützigen Vereins der Allianz im Vertriebsgebiet Südost, persönlich – weil er „von der Vereinsarbeit absolut begeistert“ ist.